„Fluidum“ im Rathaus St. Ingbert
Ausstellung von Astrid Woll-Herrmann zeigt großformatige Arbeiten zwischen Bewegung, Struktur und Alltagseindrücken – noch bis 26. Juni 2026

Im Rathaus St. Ingbert ist derzeit die Ausstellung „Fluidum“ von Astrid Woll-Herrmann zu sehen. Der Titel verweist bereits auf den Grundton der Schau: Alles ist Fluss in ihren Arbeiten. Die Künstlerin verbindet darin Bewegung, Struktur und Beobachtungen aus dem Alltag zu einem vielschichtigen künstlerischen Zugang.
Eröffnet wurde die Ausstellung in einer Atmosphäre, die ebenso individuell wirkte wie die präsentierten Bilder. In Vertretung von Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer übernahm der Beigeordnete Albrecht Hauck die Begrüßung der zahlreichen Besucherinnen und Besucher. Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von Marc Boukouya, der das Publikum mit eigenen Werken und weichen Posaunentönen auf die Ausstellung einstimmte.
Künstlerisches Konzept zwischen Bewegung und Konzentration
Im Künstlergespräch mit der Kunsthistorikerin Dr. Brigitte Quack, die auch die einführenden Worte sprach, machte Astrid Woll-Herrmann ihre künstlerische Haltung deutlich. „Ich möchte Bewegung in unseren Herzen und Köpfen mit meinen Arbeiten zeigen“, erklärte sie. Damit beschreibt sie einen Ansatz, der nicht auf bloße Formwirkung zielt, sondern auf innere Dynamik und Wahrnehmung.
Charakteristisch für ihre Arbeiten sind großformatige Bilder, die teils fast schwarz-weiß gehalten sind und nur punktuell durch helle, kontrastreiche Farben ergänzt werden. Auffällig sind zudem ihre großflächigen, meist pastosen Pinselstriche. Die in St. Ingbert geborene Künstlerin arbeitet nach eigenen Angaben in drei thematischen Säulen:
Diese drei Bereiche bilden das Fundament ihrer Ausstellung und zeigen zugleich, wie breit sie ihre Motive anlegt. Immer wieder experimentiert Woll-Herrmann mit Strukturen und greift dabei auf Inspirationen aus der Natur und dem Alltag zurück.
Material, Erinnerung und Alltagserfahrung
Ein Teil ihrer Arbeiten verarbeitet Steine, die sie selbst als „kleine Skulpturen“ bezeichnet, sowie Fundstücke von Strandspaziergängen. Dadurch entsteht ein Dialog zwischen gefundenen Dingen und künstlerischer Umformung. Das Sammeln und Weiterverarbeiten solcher Elemente scheint für die Künstlerin eng mit ihrer Bildsprache verbunden zu sein.
Neben diesen strukturellen Arbeiten stehen eindrückliche Darstellungen des Menschen. Dazu zählen etwa ein Kind beim Spielen oder eine ältere, vom Leben gezeichnete Frau. Gerade in diesen Motiven wird sichtbar, dass Astrid Woll-Herrmann nicht nur Oberflächen und Formen betrachtet, sondern auch biografische Spuren und menschliche Zustände.
Besonders wichtig ist ihr eine nahezu skizzenhafte Reihe zur Flüchtlingsthematik, die sie nach eigenen Angaben sehr beschäftigt hat. Die Arbeiten greifen damit ein Thema auf, das in ihrer künstlerischen Auseinandersetzung einen besonderen Stellenwert erhält.
Titel, Gegensätze und gedanklicher Zugang
Häufig entstehen die Titel ihrer Werke aus Gegensätzen. Genannt werden in der Ausstellung unter anderem Still beredt und Schmerz und Verlust. Diese Spannungsfelder verweisen auf eine Kunst, die nicht eindimensional wirkt, sondern bewusst Kontraste nutzt.
„Malen beginnt im Denken“, erklärte Astrid Woll-Herrmann im Gespräch. Eindrücke, die im Kopf hängen bleiben, beeinflussen nach ihrer Darstellung zunächst die Wahl des Materials, dann die Komposition und schließlich die Darstellung dessen, was ihr wichtig ist. Damit beschreibt sie einen Arbeitsprozess, in dem Wahrnehmung, Auswahl und Umsetzung eng miteinander verbunden sind.
Neben Formen, Strukturen und Menschen nennt die Künstlerin auch Musik als wichtige Inspirationsquelle. Dieser Einfluss ist in ihren Werken erkennbar und ergänzt den thematischen Rahmen der Ausstellung um eine weitere Ebene.
Ausstellung in der Rathausgalerie
„Fluidum“ ist noch bis zum 26. Juni 2026 in der Rathausgalerie im ersten Stock des St. Ingberter Rathauses zu sehen. Die Schau verbindet unterschiedliche Zugänge zu Material, Motiv und Ausdruck und zeigt Astrid Woll-Herrmann als Künstlerin, die zwischen Beobachtung, Erinnerung und musikalischer Anregung arbeitet.
v.l.n.r.: Beigeordneter Albrecht Hauck, Künstlerin Astrid Woll-Herrmann, Kunsthistorikerin Dr. Brigitte Quack und Kuratorin Andrea Fischer bei der Ausstellungseröffnung in der Rathausgalerie.
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